Als Kind wurde bei Claudia Kotter Sklerodermie diagnostiziert – eine unheilbare Krankheit, bei der sich das Bindegewebe langsam verhärtet und die Organe angegriffen werden. 1998 stellten die Ärzte fest, dass ihre Lunge betroffen ist und sie irgendwann ein Spenderorgan benötigen wird.
Bis 2002 ging alles gut, Claudia Kotter begann zu studieren und reiste viel. Plötzlich hustete sie Blut, eine Transplantation wurde unausweichlich. Die nächsten Jahre verbrachte sie zum größten Teil im Krankenhaus. „Meine Freunde durften bei mir in der Klinik übernachten; es hatte ein bisschen was von einer Klassen- oder Kursfahrt, aber eben viel länger. Das Warten wurde in den Alltag integriert.” Mitte 2006 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide, sie konnte nicht mehr alleine stehen, laufen und essen.
Im April 2007 kam dann endlich die Nachricht, dass ein neues Spenderorgan gefunden wurde. Viele Angehörige und Freunde kamen in die Klinik, um sie in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Da es zu Komplikationen während der Operation kam, musste sie sofort wieder operiert und 15 lange Tage in ein künstliches Koma versetzt werden. Als sie aufwachte, waren alle da. „Ich wusste sofort, es funktioniert”, erzählt Claudia Kotter mit einem Lächeln.
Ihr Körper nahm die Lunge gut an. Heute muss sie zwar noch ein bis zweimal pro Woche die Blutwerte überprüfen lassen und fast täglich zur Reha gehen, doch das sieht sie nicht als ein Muss an: „Ich mach das total gerne!” Denn Dank der Transplantation kann sie ihr zweites Leben unbeschwert genießen. „Ich kann fliegen, reisen, arbeiten, Sport machen, Haushalt führen, mich frei bewegen, Leute treffen, oder alleine sein! Ich freue mich über diese Freiheiten, und ich freue mich, am Leben zu sein.” Für den Spender empfindet Claudia Kotter sehr viel Dankbarkeit. „Die Lunge sehe ich nicht als mein Eigentum an. Sie ist ein Geschenk. Ich weiß, welche Verantwortung ich nun trage.”
Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Sie erwartet nicht, dass jeder dazu bereit ist, aber man sollte für sich eine Entscheidung treffen – dafür oder dagegen. Um aufzuklären und vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zu informieren, gründete sie zusammen mit Familienmitgliedern und Freunden den Verein „Junge Helden”. Sie gehen an Schulen, veranstalten bundesweit Partys und begegnen dem Thema insgesamt mit viel Lebensfreude und Mut – fürs Leben. Über ihre Geschichte hat Claudia Kotter ein Buch veröffentlicht – es heißt „Gute Nacht – bis morgen”.
Im Juni 2011, vier Jahre nach der Transplantation, verstarb Claudia Kotter plötzlich und unerwartet. Doch ihr Werk wird weiterleben. Freunde und Familie führen „Junge Helden“ mit Claudia im Herzen weiter. Sie ist es, die auch über ihren Tod hinaus Kraft gibt, sich weiterhin für die Aufklärung zum Thema Or-ganspende einzusetzen.



