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"Dieses Erlebnis ist für mich wie ein Wunder"
Brigitte Gravermann verarbeitet ihre Erfahrungen in Bildern
Kraftvolles Rot geht über in strahlendes Gelb. Hoffnungsfroh leuchtet Grün aus einer Malerei von Brigitte Gravermann. Stark und voller Hoffnung fühlte sich die heute 58-Jährige auch, als sie vor drei Jahren eine neue Leber und eine neue Niere bekam. In Collagen und Malereien verarbeitet sie ihre Empfindungen nach der Transplantation und drückt mit schwungvollen Pinselstrichen und kräftigen Farben zugleich das Glück über ihr zweites Leben aus.
„Dieses Erlebnis war für mich wie ein Wunder“, erzählt Brigitte Gravermann. Sie litt unter der Erbkrankheit „Zystenleber und Zystennieren“. Durch das Wachsen und Vermehren der Zysten wurde das gesunde Gewebe auseinander gedrängt und die Funktionsfähigkeit der Organe ließ immer weiter nach. Brigitte Gravermann magerte ab, Infektionen und Fieber schwächten sie. Aufgrund der stark gewachsenen Leber und Nieren nahm ihr Bauchumfang stark zu. „Es sind nicht nur die körperlichen Beschwerden, Einschränkungen und Schmerzen, die das Leben während der Krankheit prägen. Auch die psychische Belastung durch die Ängste und Zweifel, das Hoffen und Bangen beansprucht die eigenen Kräfte sehr“, blickt Brigitte Gravermann zurück. Aus Angst vor einer Transplantation zögerte sie lange mit der Entscheidung, doch dann entschloss sie sich zu diesem Schritt.
Die Doppeltransplantation verlief ohne Komplikationen und für Brigitte Gravermann begann damit ein neues Leben. Sie fühlt sich wieder wohl in ihrem Körper, gesund und kräftig, kann endlich wieder alles essen und trinken. „Es ist für mich ein unbeschreiblicher Gewinn, es fühlt sich an wie ein zweites Leben. Und das war nur möglich, weil ich diese Spenderorgane bekam.“ Seit der Transplantation lebt Brigitte Gravermann viel bewusster und genießt jeden Tag. „Ich nehme die Freuden des Lebens stärker wahr und mache mir nicht unnötige Sorgen über die Zukunft.“ Großen Dank empfindet sie für den Organspender und seine Angehörigen. „Ich werde sie mein Leben lang mit der gebührenden Achtung in Gedanken bei mir tragen.“
Diese Dankbarkeit zeigt sich auch in Brigitte Gravermanns Malereien. Den „ersten“ Geburtstag – der Jahrestag nach der Transplantation – feierte sie mit Familie, Verwandten und Freunden ganz bewusst. In diesem Rahmen stellte sie auch ihre Werke aus. Doch vor allem malt sie für sich selbst: „Die Malerei war für mich eine wichtige und gute Möglichkeit, diesen schweren Prozess von Krankheit und Genesung zum Ausdruck zu bringen und so die Bewältigung zu erleichtern“, erzählt die Soziotherapeutin im Bereich Kunst.
Ihr neuestes Bild „Das Leben auf den Kopf gestellt“ hat sie vor kurzem beendet. Es ist ein Bild, das von beiden Seiten – von oben und von unten – betrachtet werden kann: „Das Leben zwischen Himmel und Erde hat meine Sichtweise spürbar erweitert, mir durch die Grenzerfahrung der positiv ausgegangenen Transplantation enormen Aufschub und Kraft gegeben und viele Veränderungen in mein Leben gebracht“, erklärt sie den Entstehungsprozess des Bildes. „Ich konnte die Weichen neu stellen. Das ist aus meiner heutigen Perspektive ein unschätzbarer Gewinn und die Freude, das Glück und die Dankbarkeit dafür hält nachhaltig an.“





