Das Comeback des Jahres
Es war für viele die schönste Meldung des Jahres und sie ging wie ein Lauffeuer durch die Republik: Roland Kaiser, einer der größten deutschen Sänger, ist wieder da. Mit seiner Band und seinem neuen Album „Alles ist möglich“ tritt der Schlagerstar nun wieder live auf und engagiert sich als Botschafter für die Organspende.
Hinter ihm liegen turbulente Jahre, die wegen seiner Lungenkrankheit (COPD) für viele Schlagzeilen gesorgt haben. Für ihn gab es nur zwei Möglichkeiten: sich aufzugeben oder allen Widrigkeiten des Lebens die Stirn zu bieten. Vor allem für seine Fans wählte er die zweite: ins Rampenlicht zu treten und offen über die Krankheit zu sprechen. Vor über einem Jahr hatte Roland Kaiser aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied von der Konzertbühne genommen. Im Februar 2010 konnte Roland Kaiser mit einer Lungentransplantation geholfen werden. „Ich fühle mich wieder so fit wie seit Jahren nicht mehr, und ich freue mich, mein Leben erneut mit dem bereichern zu können, was mir seit Jahrzehnten am Herzen liegt: Musik und die Nähe zu meinen Fans.“
Sein autobiografisches Buch „Atempause“ hatte die Bestseller-Listen erobert. Es ist nun in einer überarbeiteten und erweiterten Neuauflage erschienen. Der biografische Ratgeber wurde um die bewegten Monate vom Bühnenabschied im Januar 2010 über die Zeit der Transplantation bis zur Rückkehr des Sängers auf die Konzertbühnen im Sommer 2011 ergänzt. Zudem ist die erweiterte Ausgabe der „Atempause“ nun auch als Hörbuch erhältlich.
FÜRS LEBEN sprach mit dem Schlagersänger über sein Glück, nach der Lungentransplantation wieder voll im Leben zu stehen.
Welchen Gedanken verbinden Sie persönlich mit dem Thema Organspende?
Ich möchte ein wenig von dem Glück, das mir auch dank unserer Gesellschaft widerfahren ist, an Andere weitergeben.
Sie setzen sich als Botschafter für die Organspende und FÜRS LEBEN ein – was wollen Sie erreichen?
Eine Bewusstseinsänderung, und damit verbunden eine größere Spendenbereitschaft.
Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit dem Thema Organspende bewusst auseinander gesetzt?
Schon lange vor meiner Erkrankung und Transplantation. Ich bin auch bei der DKMS typisiert.
Haben Sie selbst einen Organspendeausweis?
Ja. Und ich freue mich über jeden, der sich wie ich entschieden hat, Organspender zu werden.
Derzeit genießt die Organspende sehr viel politische Unterstützung – Sie sind mit Frank-Walter Steinmeier befreundet, haben Sie mit ihm über Organspende und Ihre jeweiligen Erfahrungen gesprochen?
Gerade kürzlich in Berlin, während eines Gesprächs für "Höchstpersönlich" (ARD). Ich schätze ihn sehr.
Seit dem 26. Februar 2010 leben Sie mit einer neuen Lunge. Was haben Sie bei Ihrem ersten Atemzug gefühlt?
Das war so ein unbeschreibliches Gefühl, ich könnte mir vorstellen, dass Säuglinge sich so fühlen, wenn sie nach der Geburt ihren ersten Atemzug machen. Sie können es nur nicht in Worte fassen. Ich kannte das ja gar nicht mehr. Ich konnte bis dahin über Jahre nur bis in den oberen Brustkorb atmen. Dann war Schluss…
Haben Sie schon mal überlegt, das Thema auch in Ihre Musik einfließen zu lassen?
Ich verstehe mich als Unterhalter. Wenn ich Konzerte gebe, empfinde ich es als meine Aufgabe, das Publikum mit einem guten Gefühl nach Hause zu entlassen. Ich freue mich, wenn es den Leuten mit meiner Musik gelingt, eine Auszeit von ihren Problemen und Sorgen zu nehmen.
Was haben Sie bei dem ersten Bühnenauftritt nach Ihrer Transplantation gefühlt?
Glück, einfach nur Glück.
Äußern sich Ihre Fans Ihnen gegenüber zum Thema Organspende?
Ja, und die Resonanz ist erfreulich. Die meisten setzen sich bewusst mit dem Thema Organtransplantation auseinander und entscheiden sich für einen Ausweis.
Können Sie verstehen, dass sich Menschen nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen, z.B. aus Angst vor dem Tod?
Das respektiere ich, aber genau da ist auch ein Ansatz für Aufklärungsarbeit.
Welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?
Meinen Gesundheitszustand konsolidieren.
Haben die Krankheit und die Transplantation Ihre Einstellung zum Leben und zu den Menschen verändert?
Ja, deutlich. Ich setzte andere Prioritäten und lebe mein Leben bewusster denn je.
Sie wissen nichts über Ihren Spender - das ist in Deutschland gesetzlich so geregelt. Denken Sie manchmal über Ihren Spender nach und was empfinden Sie dabei?
Dankbarkeit! Dankbarkeit für mein zweites Leben.
Was ist Ihr größter Wunsch, was soll sich ändern?
Dass jeder Erkrankte die reelle Chance auf eine Organtransplantation hat. Es sollten so viele Leben wie möglich gerettet werden.
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